«WOMAN POWER» – Teil 2 Frau und Mann werden sich nie wirklich verstehen. Sie sprechen zwei Sprachen.

Der grösstmögliche Nenner ist die gemeinsame Spielwiese, konfliktarm voneinander zu lernen. Das ist es auch schon. Dies betrifft den privaten wie den geschäftlichen Spielraum.

Die weibliche und männliche DNA ist eine andere;

Sie ist historisch anders gewachsen mit anderen gesellschaftlichen Vorzeichen und Prioritäten. Bestenfalls kann sie sich ergänzen im Führungsverhalten und sämtlichen erfolgsrelevanten Managementpunkten. Wenn für beide DNA quasi Frei-Räume geschaffen werden, dann kann Mehrwert generiert werden. Durch Anpassung des einen oder andern – auch privat – geschieht nur Endzeitstimmung mit Dauer-Konflikt zumindest eines Partners, nach kurzer Zeit beider.

Die mittlerweile gerne zitierten Studien, wonach der Heterogenitätsfaktor auch den Effizienzfaktor steuert, belegen dies eindrücklich. Je heterogener Teams sind, desto kreativer und innovativer tragen sie zum Leistungsprimat bei. Unter den hier skizzierten Voraussetzungen.

Eine weitere These, die auch in der Schweiz zu Diskussionen führte, mag auch eine weibliche DNA sein, die ganz brachial materielle und hierarchische Positionierung in der Wahl des potentiellen Versorgers vor jede Mündigkeit stellt und deshalb potente Männer jedes Alters und Aussehens wählen lässt. Und genau diese Männer fallen aus dem Beuteschema der Managerinnen.

Sie wählen mit Verlauf lieber solche Männer, die ihnen wenigstens ebenbürtig oder aber sicher nicht übermächtig werden können. Emanzipation trifft Tradition. In einer eher traditionell gestalteten Gesellschaft wird also die Luft für Partnerwahl dünn für Managerinnen. Dass dazu diese Tendenz des Erstbesten im Beuteschema kommt, reisst die Erfolgsaussicht auf nachhaltiges Liebes- und Partnerschaftsglück vom durchschnittlichen Dauersockel und verkürzt dramatisch.

Keine guten Nachrichten und die Frage, was tun, bleibt.

So schreibt Roger Köppel etwa, der streitbare Schweizer Verleger, provokativ in einem seiner Editorials brachial:

«Männer müssen Frauen lieben, Frauen müssen Männer zivilisieren. So lautet seit Jahrtausenden ungefähr die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern. Männer kämpfen offen im Wettbewerb, territorial herausgefordert durch Rivalen, die ihren Platz erobern wollen. Frauen wirken auf Umwegen, verschlungen durch den Einfluss, den sie auf Männer ausüben.

Berühmte Feldherren haben alles stehen- und liegenlassen, weil ihnen die Angebetete davonsegelte. Kriege sind entfesselt worden wegen Frauen. Der Mann ist ein simpel gestricktes Tier. Er reagiert auf Primärreize und knurrt und schlägt zurück, wenn man ihn angreift. Frauen beherrschen die Kunst der indirekten Konfliktaustragung. Sie spüren Konstellationen, die sie zu raffinierten Manövern verleiten. Frauen empfinden die Wirklichkeit. Männer analysieren sie nur.

Frauen sind wie Königinnen. Sie steigen nicht selber in den Kampf. Sie halten sich zurück. Sie regen an, sie inspirieren, verführen, intrigieren, manchmal treiben sie an; teile und herrsche. Sie geben dem Mann Befehle, manchmal dezent, manchmal weniger. Widerstand wird mit Liebesentzug bestraft. Auf Dauer hält das kein Mann aus. Also gehorcht er. Oder er flieht zu einer anderen Frau, die ihn subtiler beherrscht.

Das sind keine wertenden Aussagen, sondern nüchterne Beschreibungen der Realität. Jedes Geschlecht hat seine Vor- und Nachteile. Männer beeindrucken durch das, was sie oder was ihre Vorfahren erreicht haben. Frauen beeindrucken durch das, was sie sind. Schönheit ist ihr Kapital, und die Natur ist nicht gerecht. Keine Kraft ist grösser als die Macht der weiblichen Schönheit. Diese Macht prallt mit voller Wucht auf den Mann. Der schwach ist. Die Schwäche der Frau: ihre Überempfindlichkeit. Sie nimmt das Leben zu persönlich.

Schwierig wird es, wenn die Frau nach vorne tritt. Männer ertragen es schlecht, wenn Frauen frontal das Kommando übernehmen. Frauen haben ebenfalls Mühe, andere Frauen in überlegenen Positionen zu sehen. Die Frau in der Führung weckt stärkere Gegenkräfte als der Mann in gleicher Position. Das ist interessant, aber es ist so. Was man dem Mann als der Funktion angemessenes Imponierverhalten zur Herstellung von Charisma durchgehen lässt, kristallisiert sich bei der Frau zum Vorwurf, sie sei «kalt», «unmenschlich», eine ­«Lady aus Eisen» oder aus Eis. Frauen, die in Politik oder Beruf eine Führungsrolle übernehmen, zahlen einen höheren Preis als Männer. Darum werden Frauen selten Chefs.

Es folgt eine unangenehme Wahrheit. Wer sie nicht hören will, sollte nicht weiterlesen: Männer, die beruflich Karriere machen, werden sexuell attraktiver. Frauen, die im Beruf aufsteigen, werden sexuell weniger attraktiv. Das schreibt der Philosoph Peter Singer. Er hat recht. Wenn wir das Leben als Urtrieb zur Fortschreibung der DNA betrachten, dann erhalten alle menschlichen Handlungen erst in Bezug auf dieses Ziel ihren Sinn. Der Mann macht nicht Karriere, weil er will, sondern weil er muss, um eine Frau zu finden. Die Frau macht Karriere, weil sie will. Wer muss, strengt sich mehr an.

Die Frauen sind die unbestechliche Jury, vor welcher der Mann das Drama seiner Existenz aufführt. Seine Handlungen und seine Unterlassungen bleiben darauf abgezirkelt, die grösstmögliche Zustimmung einer grösstmöglichen Zahl von Frauen zu finden. Ohne dieses streng richtende Publikum fiele es dem Mann schwer, am Morgen aufzustehen. Zu kreativen Leistungen wäre er schon gar nicht in der Lage. Gäbe es die Frauen nicht, es gäbe weder Weltreiche noch kulturelle Meisterwerke. Ohne die Möglichkeit, die Frauen zu beeindrucken, wäre der Mann nie aus der Ur-Höhle gekrochen, in die er von Gott geworfen wurde.

Zwischen den Geschlechtern kann es nie Übereinstimmung und schon gar keine Harmonie geben. Das Missverständnis ist der Dauerzustand, der das Zusammenleben von Mann und Frau erst interessant und sinnvoll macht. Die Frau ist für den Mann das eigene Rätsel in Gestalt. Sie ist die ihm gestellte Aufgabe, die er niemals löst. Auf dem Weg seines Scheiterns, die Frau zu verstehen, erkennt er immerhin sich selbst. Diesen Prozess fortschreitender Erkenntnis, die nicht an ihr Ende kommt, aber eine Verfeinerung der Sitten bringt, nennen wir Zivilisation.

Genauso wenig, wie es im christlichen Sinn Erlösung auf Erden geben kann, gibt es harmonische Beziehungen zwischen Mann und Frau.» (aus: Editorial: Frau und Mann | Die Weltwoche, Ausgabe 40/2013).

So spricht ein Mann, der wohl in einigen seiner Provokationen nicht ganz falsch liegt. Jedenfalls habe ich diese Gedanken nach ersten Entrüstungen immerhin heute noch zur Hand und gedenke diese mit meiner These zu verbinden;

Was lernen wir daraus? Frauen, die auf Partnersuche gehen sollten, müssen dies systematisch tun. Mit kühlem Kopf und professionellem Blick sind erfolgsrelevante Charakteristika ihres künftigen Buddys zu evaluieren und schriftlich festzuhalten; sodann stellt sich die Frage, welche Wege der Rekrutierung am effizientesten sind.

Es wird ein Weg sein, der sich mit Systematik und professionellem Blick ans Werk macht und sich dafür auch gebührende Zeitfenster reserviert, wohlweislich wissend, dass der Weg lange und beschwerlich sein könnte.  Ohne wenn und aber dürfen die zur Managerin so schwer passenden Clichés der grossen Liebe verabschiedet werden; nur selten gibt es solche Matches, die auch im beruflichen Umfeld geschehen und vielmehr dem blinden Huhn, das ein Korn findet, gerecht werden, als der klugen und selbstverantwortlichen Frau, die weiss, was ihr Herz braucht, die sucht, was ihr gut tut, und die genügend Schnauf hat, lieber einen Triathlon hinzulegen als vermehrt durch Scheidungen hindurchzugehen. Und dabei zu leiden.

Was tun? Der atemlosen Managerin rate ich zu Atempausen. Zur Wiederentdeckung eines Phänomens, das erfolgreiche Frauen langfristig niemals ganz aufgeben dürfen: des Wahrnehmens ihrer Bedürfnisse, der Zeit für sich selber, festen Einträgen im Outlook als «Meetings mit sich selbst» und festen Off-line-Zeiten. Alles andere führt zum Ausbrennen.

Frauen stellen sich tendenziell ganz hinten an, wenn es um ihre Selbstfürsorge geht. Selbstvergessen verlieren sie das gesunde Mass für sich selber. Äusserlich gepflegt, perfekt gestylt, adrett angezogen – wie es der  Business Knigge vormacht – fehlt ihnen das Wichtigste: Schlaf in ausgedehnten Runden, statt Stress im Fitnessstudio lieber eine Stunde mehr Schlaf, die heisse Mahlzeit am Mittag, der wohltuende Kurzschlaf am Mittag, die mindestens zwei Liter Wasser am Tag, weniger Kaffee und weitere Suchtmittel, die ganz einfach am eigenen Leben und dessen Qualität zehren.

Das Mass aller Dinge muss Frau sich selber sein.

Erst dies macht es möglich, den Partner an ihrer Seite zu haben, der dies wiederspiegelt, was sie sich selber schenkt. Beauty and Beast-Konstellationen mögen oft auch komplementär angelegte Spiegelbilder sein, die perfekt zeigen, was im eigenen Leben noch nicht perfekt ist. Fürsorge und Frau sein beginnt bei ihr selber. Wie oft erlebe ich Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs, die ganze Nächte durcharbeiten und ihre Dauerbereitschaft als 24-Stundenfrau schon tendenziell masochistisch feiern. Je müder, je besser. Je erschöpfter, desto fühlbarer. Ausgebrannt-Sein ist leider zu salonfähig, um es gezielt zu verhindern. Auf den Punkt gebracht:

(Dr. Sonja A. Buholzer. Woman Power): «Zur Einsamkeit vieler Karrierefrauen gibt es unzählige Publikationen. Sie suggerieren eine weibliche Einseitigkeit im Single Dasein und vergessen dabei, wie einsam auch die häufigere Zweisamkeit von Karrieremännern ist, die in einem Kokon von Hierarchiespitze gut abgeschirmt gegen den Rest der Welt oft noch viel einsamer sind, nicht selten verzweifelt einsam und die Synapsen zum ganz normalen Alltag „da unten“ kaum mehr finden, nicht selten auch deshalb, weil die Belastungen zu gross, die Zeit zu knapp und die Energie zu klein dazu ist. Die Ehefrauen im alten Modell des „Zuhause-Seins“ sind entfremdet, Kinder oft auch. Doch immerhin ist der infrastrukturelle Back-up organisiert und der entlastet für die Aufgaben im Geschäft, und zwar existentiell, wie auch die Chefsekretärin. Dies muss hier einfach erwähnt werden, um kein falsches Bild zu zeichnen. Zweisamkeit heisst nicht immer nicht-Einsamkeit und diese kann, wenn sie gekonnt gelebt wird, durchaus virtuose Züge haben unter dem Label „Umgang mit Freiheit.“ 

Doch lesen wir dazu einen Auszug aus dem Leitartikel von Michael Stürmer zum Thema „Warum so viele Karrierefrauen keinen Partner finden“:

„… es gibt keine Frau von 40 Jahren- der viel gelesene, doch bei der königlichen Zensurbehörde ob seines Witzes schlecht angesehene Journalist Louis-Sébastien Mercier schrieb solches anno 1780 in seinem “Tableau de Paris”. Er beobachtete, was bis heute nicht an Geltung verloren hat: Der 39. Geburtstag wird, gegen allen Zahlenzwang, mehrfach gefeiert, bis eines Tages eine würdige Matrone ihre Freundinnen zum 70. einlädt.“

Heute ist alles anders, außer der biologischen Uhr. Noch immer möchten die Menschen, Frauen mehr als Männer, die Uhr anhalten. Doch die Zeit bleibt davon nicht stehen. Die Optionen werden enger, die Frage der Identität heischt Antwort. Man muss sich entscheiden zwischen spätem Familienglück oder weiterem Aufstieg in die Gipfelregionen des Managements – beides bleibt eine Rechnung, mit Unsicherheiten behaftet, die nur selten aufgeht. Das Familienglück ist nicht garantiert, die Scheidungsquote beängstigend, doch auch die Karriere gibt es nicht ohne ihren Preis. Das Familienglück aber erfordert den Partner, mit oder ohne Trauschein, und das wird mit zunehmendem Alter, wachsender Unabhängigkeit und Lust an Selbstbestimmung nicht leichter. Souveränität aufzugeben will lange bedacht sein – manchmal zu lange. Wenn man aber erst einmal ein paar Jahre lang niemanden um Rat zu fragen hatte, dann wird solches zur selbstverständlichen Gewohnheit.

Die Löwin wird einsam, weil es an Löwen fehlt, speziell solchen, die im Multitasking auch als Kuscheltier verwendbar sind und die es mit ihresgleichen aufzunehmen wissen.

Die modernen Männer, zumeist gelernte Softies, sind zwar in der Küche nützlich, fühlen sich aber überfordert, wenn es darum geht, eine Schulter zum verstohlenen Ausweinen zu bieten. Moderne Machos aber sind erst recht ein Auslaufmodell, ungeeignet als Frauenflüsterer. Die Karrierefrau verschreckt die meisten Männer schon durch ihre Existenz.

Freiheit hat ihren Preis. Erste emotionale Gefühlsauszehrung setzt ein, Freundinnen und Schwestern, die Kinder in die Welt setzen, provozieren Zweifel und Selbstzweifel. Man soll mit dem Begriff des Tragischen behutsam umgehen. Doch die Tragik der Sache liegt darin, dass der Weg zur Spitze steil ist und, je höher er geht, einsam macht, während doch das Leben mit der Familie entgegengesetzte Eigenschaften erfordert: Zuwendung, Geduld, Selbstbescheidung – übrigens auch im Punkt der Bezahlung. Es sind speziell die Erfolgstypen unter den jungen Frauen, weniger die Männer ihrer Altersgruppe, denen Unmögliches abverlangt wird.

Amerika erlaubt wieder einmal, ein Fenster auf die Zukunft zu öffnen. Das Pew Research Center, Amerikas Allensbach, hat die moderne Frau als Täter und Opfer in einem langfristigen Rollenwechsel ausgemacht. In der Generation zwischen 30 und 44 haben erstmals mehr Frauen als Männer College-Erziehung. (…) Die Konsequenz: Männer müssen sich auf Frauen einstellen, die besser gebildet und höher bezahlt sind als sie selbst. Das Umgekehrte gilt für Frauen. Seit den 1970er-Jahren ist das Einkommen von Frauen schneller gestiegen als das von Männern, und die jüngste Rezession hat mehr Männern als Frauen in Amerika den Job gekostet.

Männer sind die Verlierer. Aber Frauen auch. Das Pew Team zitiert eine 35-jährige Hochschulabsolventin mit den Worten: “Gleich aus welcher ethnischen Gruppe, Männer finden es immer ein bisschen beängstigend, intelligenten Frauen zu begegnen. Geld spielt eine Rolle. Für mich aber geht es vor allem um Kompatibilität. Die Frage lautet: Kannst du mit mir wachsen? Oder, wie eine Freundin von mir fragt, wenn sie zum ersten Mal mit einem Mann eine Verabredung hat: Haben Sie einen Reisepass oder eine Bibliothekskarte?” Männer, so die Erfahrung vieler Frauen, scheuen die Anstrengung mit einer weltgewandten Frau. (…) Was ironisch klingt, verbirgt viel Schicksal.“[1]

Eine pointierte Zusammenfassung weiterer Facetten, die anregen; Das Bild der Löwin, die den Löwen sucht. Einen, der auch als Partner mit Gefühlstiefe dient. Der sie versteht, ihre Sprache übersetzt, den ihre Stärke und Autonomie fasziniert, der ihrer Macht und Intelligenz die seine entgegensetzt, der nicht rivalisiert sondern seine Stärken in die ihren integriert und – der sowohl über den Reisepass wie eine eigene Bibliotheke verfügt. Solche Männer sind selten. Doch es gibt sie. Sie müssen mit System evaluiert und geprüft werden, bevor sich Frau bindet. Glück in der Gipfelregion des Managements baut besser auf zwei denn auf eine Schulter. Alles andere ist ein Klumpenrisiko. Denn zerbricht die weibliche Karriere, zerbrechen ganze Leben. Da ist nichts mehr, was auffängt. Kein Partner, keine Kinder, kaum Hobbies, wenige Freunde, kein Selbstvertrauen, zerplatzte Träume und unendliche Verletzungen. Kluge Karrierefrauen planen kluge Optionen mit und ohne Partner, Kinder – aber niemals ohne Back-ups.

Und schliesslich noch ganz wichtig: Frauen, die hervorragend ausgebildet und auf dem Weg der Karriere sind, finden kaum noch Zeit, einen solchen Partner zu suchen; sie fokussieren zu einseitig auf Karriere, nehmen Rücksicht und verzichten auf Liebeserfahrungen wegen ihrer Karriere, sie pflegen bestehende Beziehungen zu wenig wegen Karriere und- machen hier die gleichen Fehler wie männliche Pendants: sie sind, bleiben oder werden Single, weil sie die Waagschalen zwischen Karriere und Beziehungsglück mit einem Partner nicht im Griff hatten. Der Unterschied zum Mann: Er wird sofort eine neue Partnerin suchen und hat vielleicht sogar das Glück, dass die alten Partnerin bleibt oder zurückkommt, weil er mit völlig andern Augen von ihr gesehen wird als umgekehrt: er ist dank seiner Karriere attraktiv. Sie bestenfalls  – TROTZ ihrer Karriere.

Und so wird sie wesentlich umfassender und engmaschiger auf Partnersuche oder Resignationskurs gehen, etwa nach dem Motto: lieber zu früh damit begonnen, als zu spät. Zumal im Falle eines Kinderwunsches die biologische Uhr auch noch im Ohr tickt. 

Umgang mit Liebesenden

Und jene Frauen, die sich in einer Beziehung befinden, die sie unglücklich macht, die Kraftreserven aufbraucht, die den Geruch des Endes haben, die nur mit Müh und Not noch aufrechterhalten wird – machen eine Reife-Erfahrung, die ich schon in meinen früheren Büchern als eine der wesentlichsten im Leben einer Frau (und vielleicht auch eines Mannes) bezeichnete. Trennungen, Scheidungen, sie alle verursachen Leid. Leid ist Schmerz, Grenzerfahrung, wirft zurück auf wesentliche Fragen der eigenen Existenz. Leid, beim Verlust des Partners, verursacht Verletzungen, die alle alten Wunden von der Kindheit bis heute mitreissen können. Nicht selten verarbeiten dies Frauen anders als Männer. Während letztere zu arbeitsfanatischen Workaholics werden, setzen sich Frauen tendenziell intensiver und mutiger damit auseinander. Sie stellen sich den Gefühlen, lassen sich von ihnen in Wellentäler tragen, in Tränenozeane und verzweifelte Zeiten des totalen Zweifelns an allem. Sie kaschieren und verdrängen wohl weniger, als es dies Männer tun. Dies mag auch im Geschäftsleben spürbarer sein, in der Tat. Doch der Phönix aus der Asche, der nach überstandener Trauer und Depression emporfliegt, ist ein starker, ein weiser, ein geläuteter mit klarerem Blick für das Wesentliche des Lebens. Diese Frauen legen zu, an Weiblichkeit. An Autonomie. An Selbst-Bewusstsein. Nicht selten auch deshalb, weil ihnen Meditation, Yoga und weitere extensivere Instrumente der Verarbeitung solcher Verletzungen helfen. Wachstum ist alles. Und im Wachstum erwachsen – Frauen zu ihrem inneren Kern, ihrer Geschichte, ihrer Kraft. Hier ist „Leadership“ weiblich. Echt und in sich ruhend. Frauen – und Männer – die sich tiefen, existentiellen Schmerzerfahrungen widmen, sie durchleben, bewusst und mutig, finden darin Momente der Ein-Sichten in die tieferen Lebenszusammenhänge, von denen schon Goethes Faust sprach. Intro-Spektionen in das, was die „Welt im Innersten zusammenhält“ – wird im mutigen Jasagen zum Du und der damit verbundenen Verletzbarkeit erst möglich. Ich und Du – Martin Bubers Standardwerk – ist die Verbindung, die Nabelschnur zum ewig Seienden in der Liebe. Wird Liebe verletzt, entsteht die Wunde, die durchlässig macht für deren Botschaften. Und gerade deshalb ist auch Schmerzerfahrung wichtig.

Ganz einfach ausgedrückt habe ich dies in einem Ausschnitt meines Bestsellers Frauenzeit wie folgt:

Sonja A. Buholzer: «Ganz egal, ob Sie sich mit dem Gedanken einer Scheidung oder Trennung befassen, ob Sie in Scheidung sind oder gerade geschieden wurden, ob Sie innerlich erst Ihrem Ex-Liebsten aufgekündigt oder ihn bereits verlassen haben: 

Sie sind auf dem Weg. Und das ist gut so. Sprechen Sie nur mit Menschen über diese Grenzerfahrung, die sie selbst gemacht haben. Gehen Sie bewusst durch die Tausend Tode Ihres Wachstumsprozesses und freuen Sie sich darüber, dass Sie mit jedem Tod als Phoenix aus der Asche der eigenen seelischen Dunkelkammern fliegen: Schöner, wacher, weiser und reifer denn je.» In vielen Coaching-Gesprächen erstarken Menschen mit disruptiven Erfahrungen und sind erst jetzt in der Lage, den nächsten Quantensprung in Karriere und persönlicher Reifung zu tun. Dafür lohnt es sich, niemals zu kapitulieren.

Liebe muss immer wieder eine Chance bekommen.

Der weibliche Phönix aus der Asche kann es sich leisten, erneut verletzt und verwundet zu werden. Erneut zu genesen und der Liebe erneut eine Chance zu geben, wenn es wieder nicht klappt. Wer aber aufgibt, gibt die Liebe und damit den Lebenssinn auf. Gibt sich selbst auf und seine vielen Chancen im Leben, Liebe immer wieder zu finden. Ich wünsche mir so viele Frauen mehr, die nicht resignieren. Die sich von Liebesdingen eben nicht abwenden, sondern erkennen, dass sie ohne Liebe nur Facetten ihres Lebens als Frau leben, anstelle eines vollen, satten, farbenreichen, intensiv geprägten Lebens von Frausein und Karriere. Von Partner, Mutter, Ehefrau, Geliebter, von Tochter und Buddy, von Kameradin und Seelenpartnerin, von Chefin und unzähligen weiteren weiblichen Szenarien geprägt.

Leben muss satt gelebt werden, sonst zerrinnen die Jahre zwischen den Fingern.

Das braucht ungeheuer viel Mut und Beständigkeit, Beharrlichkeit und dem Willen, immer wieder aufzustehen und sich dem Leben und Schicksal mutig zu stellen. Das ist gelebtes Leben.

Und nur dieses kann FRAUSEIN UND KARRIERE zu einem Ganzen machen, das auch viel Glück und Reifung schenkt.

Der vorliegende Blog und die Konklusionen basieren auf Dr. Sonja A. Buholzers Buch: WOMAN POWER. Orell Füssli, 2014, ergänzt, überarbeitet und aktualisiert. All rights reserved.

Dr. phil. Sonja A. Buholzer, M.A.

  • Frühere Ausbildungschefin/ Mitglied Direktion Bank.
  • Doktor der Philosophie (Universität Zürich), M.A. Master of Arts (State University New York), Management-Weiterbildung an der Universität Zürich/ permanente Leadership-Weiterbildungen von Wolfsberg bis USA.
  • Sonja A. Buholzer ist seit 1994 Gründerin und Inhaberin der international tätigen Wirtschafts- und Unternehmensberatung VESTALIA VISION in Zürich.
  • Persönliche Beraterin / langjährige Sparring-Partnerin namhafter internationaler Führungspersönlichkeiten aus Wirtschaft/ Politik im In- und Ausland. Persönlicher Coach auch zahlreicher Managerinnen, JungunternehmerInnen und nationaler Familienkonzerne im Prozess des Generationenwechsels.
  • Wirtschafts-Referentin/ Keynote-Sprecherin/ Teilnehmerin Panel- und Podiumsdiskussionen/ Moderatorin von Wirtschafts-Veranstaltungen und -Kongressen im In- und Ausland.
  • Autorin von zehn Bestsellern/Managementbüchern, darunter Bestseller wie SHARK LEADERSHIP, die in China und Norwegen erschienen, Nomination für den Deutschen Hörbuchpreis von SOLANGE DU LIEBST und etlichen Lizenzausgaben, darunter auch Hörbücher und Pocket Guides.  
  • Früher leitete sie u.a. die internationale Ausbildung einer Grossbank, später die Gesamtausbildung einer andern Schweizer Bank und war damals eine der jüngsten (und wenigen) Frauen in den Bankdirektionsetagen, Mitglied der Geschäftsleitung/  Verwaltungsrätin diverser Unternehmen. Gerade deshalb berät und coacht sie auch mit viel Herzblut zahlreiche Unternehmerinnen und Frauen in weltweiten Managementpositionen bis hin zu exklusiven Female Executive Placements und Diversity-Programmen.

Ausbildung / Werdegang / Engagements

Studium der Literaturwissenschaft, Philosophie, Literaturkritik und Geschichte an der Universität Zürich, 1987 Promotion zur Dr. phil., 1984-1985 wissenschaftliche Assistentin und Lehrbeauftragte an der State University of New York, 1985 Master of Arts (M.A.), Management-Weiterbildung an der Universität Zürich.

Dr. Sonja A. Buholzer ist Trägerin des Paul Harris Fellow. Sie war Rotary-Präsidentin und mehrjähriges Vorstandsmitglied, vieljährige Elektorin des Unternehmerinnen-Preises Schweiz.

Heute ist sie nebenbei auch Stiftungsrätin in ethisch-nachhaltigen Organisationen und engagiert für Frauen im Management.

Dr. Sonja A. Buholzer ist brevetierte Tauch-Instruktorin und ausgebildete Haitaucherin mit Hunderten von Haitauchgängen, über deren Begegnungen sie in zwei Managementbüchern den Transfer zum Verhalten über Wasser macht. Die Begegnungen mit Haien, das Studium ihrer territorialen Verhaltensweisen und Angriff- und Verteidigungsstrategien sind immer wieder Gegenstand von Coaching-Gesprächen.

Sonja A. Buholzer lebt in Zürich und ist als Executive Coach und Referentin weltweit tätig. Zudem ist sie Keynote Speakerin und Moderatorin von Wirtschafts- und Politanlässen.


[1] Leitartikel von Michael Stürmer, „Die Einsamkeit der Karrierefrau“, in :  Die Welt, 30.01.2010.

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