Dr. Sonja A. Buholzer im Interview zu «WOMAN POWER» – wie Männer über Frauen im Management denken.

Es ist die Angst der Frauen vor ihrer eigenen Feminität, die bei uns so falsch rüberkommt

O-Tone-Statement eines CEO’s

… dies die Worte eines Vorsitzenden der Geschäftsleitung eines renommierten international tätigen Konzerns in der Schweiz.

Dieser Top-Manager ist einer der innovativsten Unternehmer dieses Landes, sein Hintergrund ist der eines erfolgreichen, stets weiterstrebenden, kreativ-innovativen Kopfes, der schon manche unternehmerische Idee realisiert hat und Frauen mag. Seine Bemühungen, Frauen ins Boot zu nehmen, sind nachgewiesen; er ist mir ein lieb gewordener, offener und sehr herzlicher Gesprächspartner, mit dem ich dieses Interview ganz besonders offen angehen kann. Seit über dreissig Jahren kennt er die Szene. Kennt die ups and downs von weiblichen Karrieren. Sieht sie kommen, sieht sie gehen. Emotional geht nichts an ihm sang- und klanglos vorbei.

Er denkt, denkt nach, denkt laut, teilt sich mit, macht seine Konklusionen. Hören wir ihm zu:

Dr. Sonja A. Buholzer: «Was raten Sie einer Frau auf dem Weg nach oben?»

„… Was ich Frauen auf dem Weg nach oben raten würde? Und niemals so direkt zu sagen wagte …, ist folgendes: Setze die Waffen einer Frau ein, zeige dich, Emotionen, dein wahres weibliches Gesicht. Frauen sind runder, denken ganzheitlicher, sie verfügen über vernetztes Denken. Genau das macht den Unterschied aus! Frauen heute haben Angst davor, Frau zu sein. Frauen haben sich selber in ihrem Frau-Sein stigmatisiert. Sie sehen es als Nachteil an. Sie sind auf tragische Weise entwurzelt in ihrem Frausein. Und wir Männer spüren das. Frau-Sein sieht Frau als „nicht-salonfähig“ an; das tun wir Männer aber nicht! Wir mögen und lieben frauliche Frauen, die darauf stolz sind, Frau zu sein. Anders zu sein.

„Doch Frauen sind auch von Angst besetzt, sich selber als Frauen zu feiern und uns damit zu imponieren, dass sie so anders sind! Diese Angst macht Frauen verkrampft, hart und für uns Männer unattraktiv in jeder Beziehung.“

Frauen wollen immer objektiv sein. Alles Persönliche, Subjektive wird zu oft krampfhaft weggeschnitten. Was bleibt, sind entwurzelte Frauen.“

Dr. Sonja A. Buholzer: «Eine harte Aussage; wie kommen solche Frauen bei Ihnen an? Wie erleben Sie diese?»

«… Es sind Frauen, die nichts, aber gar nichts, bei den Männern durchbringen. Kein Konzept, keinen Antrag, kein Reputationsmanagement, nichts! Frauen verfügen zudem über ein Harmoniebedürfnis mit oft wenig Streitfähigkeit. Und gerade eine Streitkultur ist für uns wichtig; wir Männer wollen uns messen, eine andere Meinung haben, wollen unsere Argumente auf einander prallen lassen, Hierarchie wird so determiniert, wir mögen das. Und ich habe einfach auch die Erfahrung gemacht, dass ich mit Männern besser streiten kann. Bei Frauen habe ich immer das Gefühl, dass sie dies eher persönlich nehmen, dass sie nachtragend sind, dass sie Streitgespräche nicht von ihrer eigenen Person unterscheiden können und alles existentiell totalitär und damit auch humorlos nehmen.»

Dr. Sonja A. Buholzer: «… und zurück bleiben traumatisierte Männer…?“

«Oft…ja, und Männer, die nach schlechten Erfahrungen mit Frauen im Management wenigstens ein paar Jahre das heisse Eisen einer Nachfolgerin auslassen und keine Frauen in der Geschäftsleitung mehr wollen. Wie gerne würde ich den Frauen raten zum „After-work Bier, von mir aus auch after-work Tea…, einfach dabei sein mit uns zusammen bilaterale Themen besprechen, auch mal lachen, humorvoll sein. Kurzum, Freundschaften mit Frauen, auf so ganz lässige Art, wo man offen ist, kumpelhaft auch laut denken kann, geht einfach nicht. Freundschaften mit Frauen sind schwer zu knüpfen. Es gibt zu viele disturbing factors. Und sicher gehört auch das Mann-Frau-Sein dazu; Kollegialität mit Frauen ist schwierig. Ich habe es nur einmal erlebt Denn Frauen haben rasch Angst davor, zu viel Nähe aufzubauen, falsch verstanden zu werden. Fühlen sich bedroht vor so viel Offenheit und Vertrautheit eines freundschaftlichen (und ich meine damit nur freundschaftlichen!) Gespräches nach der Arbeit. Das halt, was wir Männer tun. Wo wir die Welt am Ende des Tages wieder zurechtbiegen. Wenn Frauen mit Distanz reagieren, sogar schockiert sind, wenn wir beginnen, mit ihnen Kollegialität und Nähe aufzubauen, werden wir auch zurückhaltend.“

Dr. Sonja A. Buholzer: «Interessant. Und was sagt man(n) uns Frauen sonst auch nicht…?

„… die Sache mit dem Outfit. Wenn Frauen ihre Feminität verstecken, sieht man das auch an ihrem Äusseren. Ich schätze Weiblichkeit auch im Aussehen, etwas Lippenstift, die Haare einer Frau, mag es, wenn sie auch mal einen Jupe trägt, statt immer nur diese monotonen Hosenanzüge. Eine Frau eben, die authentisch wirkt auch im äusserlichen Auftritt. Ich kann einfach nicht verstehen, warum so viele Frauen, und in unseren Breitengraden immer mehr, so ähnlich angezogen sind. Uniform, Weiblichkeit versteckend oder immerhin kaschierend, Haare züchtig nach hinten zusammengebunden, noch schlimmer männlich nach hinten gekämmt, aufgesteckt, Business Dress nach Vorschriften von unbekannt und einfach langweilig.“ Dieser Manager betont immer und immer wieder, wie sehr er sich wünscht, einer Frau in der Geschäftsleitung gegenüber zu sitzen, die so ganz Frau ist. Und er betont, dass Frauen offensichtlich davor Angst haben, in weiblichem Outfit nicht ernst genommen zu werden in einer fast rein männlichen Welt. Ganz im Gegenteil, sagt er. Je weiblicher, je adrett femininer, je authentischer in ihrer Individualität, ihrem Anders-Sein als Frau, desto willkommener. Er ist es, der nicht genug betonen kann, dass er den weiblichen Auftritt sogar geniesst, dass er nicht allein damit ist.

Dr. Sonja A. Buholzer: «Was müssen wir Frauen weiter noch verstehen, um unser hier thematisiertes «Anders-Sein» in männliche Kulturen einzubringen?»

«Frauen dürfen zu uns Vertrauen haben. Ich gehe davon aus, dass die grosse Mehrheit der Männer Frauen als gleichberechtigt ansehen! Und dass dies für Männer längst eine Selbstverständlichkeit ist, was Frauen –  unsichere Frauen – noch immer diskutieren. Wir sehen Frauen auf absolut gleichem Niveau.»

Er betont, dass diese Grundsatzdiskussionen am Thema vorbeizielen. Dass es aber wichtig sei, dass Frauen verstehen, dass sie in ihrem Frausein, in ihrem Anspruch, auch anders zu sprechen, zu präsentieren, daherzukommen, zu reagieren, zu fragen, zu führen, zu Lösungen zu kommen – eben gerade darin hochwillkommen sind.

Dr. Sonja A. Buholzer: «Als Frauen brauchen wir also andere Aspekte als die der Männer, um erfolgreich zu bleiben. Frauen müssen diese anderen Sichtweisen einbringen und den Mut haben, diese klar zu äussern; dann erst stossen Sie auf männliche Akzeptanz im Management, korrekt verstanden?»

„Ja, und etliche Frauen haben Angst vor dem eigenen Profil!“… so seine Aussage. Er geniesse es, wenn eine mutige, eigenständige Frau ihn verblüffe durch ihre Sichten. Ansichten. Meinungen. „Verblüffe mich!“ sei sein Wunsch an Frauen. Dazu gehöre Portionen von Selbstironie, von Humor, Selbstsicherheit, von eigenen Ideen, Eigeninitiative und die Zivilcourage, sich nicht einfach anzupassen, sondern mutig sich als Frau im anders Sein zu outen. „Das macht Freude, Spass und ist ansteckend, wenn es darum geht, kreativ und innovativ zusammenzuarbeiten. Eine grosse Portion Coolness gehört aber auch dazu. Es gibt nichts Schlimmeres, als eine total verkrampfte Frau, die mit Akribie punktgenau korrekt und jederzeit verbissen für Leistung kämpft. Das geht immer schief mit uns. Wir wollen auch Spass haben in einer extremen Leistungskultur, mal lachen können, auch über uns selber. Wir wollen keine dominanten und belehrende Frauen um uns haben, die uns erziehen wollen und Vorträge halten über unsere Fehler. Nein danke. Mit Coolness und Smartheit aber sollen Frauen uns verblüffen durch ihre Eigeninitative. Uns mal zum Lunch einladen, um einen Konflikt zu klären. Nicht warten, bis wir das tun.»     

Dr. Sonja A. Buholzer: «Frauen sollen also zeigen, dass sie Humor haben auf dem langen Weg der Karriere. Dass sie auch Spass am Leben haben, das wird geschätzt? Management als Spiel, Wettbewerb, Humor als Relativierungs-Medizin im allzu hektischen Daily Business, da kommt eine Menge von Erwartungen auf uns zu…;»

Dieser Manager skizziert das Idealbild seiner weiblichen Geschäftsleitungskollegin, die so ganz anders ist, als seine jüngste Erfahrung. Mit einer hochbegabten und ehrgeizigen Managerin, die er einstellte. Die allerdings in einer totalitären Anspruchshaltung 100%-iger Delivery nur noch arbeitete, ihr Privatleben vergass. Die ihre männlichen Geschäftsleitungskollegen stundenlang nacherziehen wollte und ganz offenkundig kaum noch Akzeptanz fand, um zu bestehen. Humorlos und der Sache existentiell ergeben, verlor sie jeden Anflug von Spass. Sie leistete. Total. Gnadenlos. Sie belehrte, verbitterte, knechtete ihr Team und fand sich rasch ohne formelles und informelles Netzwerk allein in ihrem Leistungswahn. Allein. Einsam. Verbittert. Nachtragend. Für immer. Sie quittierte den Dienst. Ein Beispiel, wie es nicht geht.

Wenn Frauen genau hinhören, genau hinsehen, beginnen verbale und non-verbale Signale ihrer männlichen Gegenüber zu lesen, zu deuten. Wenn sie sich als Frauen wiederentdecken und darauf stolz sind, anders, weiblich, anders denkend, weiblich handelnd – zu sein. Dann hat das Spiel der „Diversity“ gute Chancen, zu gewinnen.

Lust auf Feminität.

Freude an der eigenen weiblichen Souveränität. Lust auf Widerstand und Humor, auf Selbstironie und Polarisieren, auf Charme der Frau und dem Spiel mit ihren Waffen – immer unter Voraussetzung höchster Professionalität – dazu die Fähigkeit, unternehmenspolitisch geschickt zu agieren, Mehrwert durch Anders-Sein zu generieren und dabei – risikodiversifizierend – auch ein Privatleben, auch eine Familie, auch ein endorphin-generierendes Hobby auszuüben, dann gelingt weibliche Karriere.

Dr. Sonja A. Buholzer: «Frauen müssen demnach explizit selber aus der anerzogenen Rolle des Wartens heraustreten und aktiv werden. Dies auch wird auch hier im Gespräch immer wieder betont. Sei es bei Karrieregesprächen, Lohn- oder Bonusverhandlungen. Bei Weiterbildungen oder Job opportunities.»

„Ja, genau! Wir Männer können Frauen gar nicht lesen“, sagt er. „Frauen müssen sich jederzeit erklären. Wir Männer ticken ganz simpel, ganz einfach. Denn…

Wir Männer sind gar nicht in der Lage, die Komplexität der Frau zu verstehen.

Wie sie denkt, wie sie handelt, was sie fühlt, wie sie vernetzt denkt. Wie sie kombiniert – wie sie Konklusionen zieht. Sehen Sie, all das ist uns Männer verschlossen. Wir staunen einfach und verstehen das Wesen Frau nicht. Bewundern es aber. Wollen von ihr lernen, profitieren für unser aller gemeinsamer Erfolg. Wir mögen Frauen mit diesem geheimnisvollen anderen Wesen sehr. Akzeptieren sie darin sofort. Nicht aber, wenn sie sich anpasst. Versteckt. Mutlos und männlich angepasst wird.»

Er spricht davon, wie er bemerkte, dass eine Managerin wohl mehrere T-Shirts übereinander trug, um ihren Busen unter der Bluse zu kaschieren. Er spricht von einer Frau, die so rabiat männlich auftritt, dass sie als Frau nicht mehr durchgeht, sondern als Mann akzeptiert ist. Er spricht von der jungen Frau, die er als seine Nachwuchs-Managerin eingestellt hat, um ihr Potential  des Widerspruchs zu nähren und zu beweisen, dass seine Thesen stimmen. Er spricht von seinen Geschäftsleitungsmitgliedern, die nach ihren Erfahrungen mit Frauen, die nur nervten, für Jahre nichts mehr von Frauen im Management hören wollen. Er spricht davon, wie grossartig es sei, von Frauen zu lernen, die Welt vernetzt zu sehen. Werte und Ethikthemen zu diskutieren. Aber auch zu lachen über ganz andere Bonmots und einige wenige Male das Glück gehabt zu haben, mit einer Frau die gleich unverkrampfte, offene und nahe Geschäftsbeziehung erlebt zu haben, in der Nähe und Vertrautheit geschah und nicht sexualisiert werden musste. „Das gibt es. Auch die reine Freundschaft zwischen Frau und Mann auf gleicher Augenhöhe, die Bilaterales beim Drink oder – eben Tee – besprechen lässt. Und immer auch politisch ist.

„Weshalb kämpfen Frauen um etwas, was für uns Männer selbstverständlich ist: Gleichberechtigung,“

fasst er zusammen. Nur wenige Männer hätten es noch nicht begriffen.

«Es ist salonfähig, mit den Waffen einer Frau im Top-Management zu handeln“, so seine Zusammenfassung. Auch er, als Mann, setze diese seine männlichen Waffen gerne und nicht selten ein, wenn er ein Ziel verfolge. „Sehen Sie,“ fährt er fort – „das Leben und das Management ist ein Spiel, wenngleich ein ernstes, um Güte und Rang, um Hierarchie und Lust an der Leistung, um tägliches Besserwerden. Doch ohne Humor und zuweilen auch etwas Coolness, geht gar nichts. Da verbrennen wir uns total. Da verlieren wir nicht nur Kraft, sondern auch die Lust am Job. Wer nicht geniessen könne, werde ungeniessbar, so einfach sei das auch.

Das Interview mit diesem Top-Manager begleitet mich seither durch meine Management-Coaching-Gespräche mit Frauen und Männern. Er hat so viele Punkte eingebracht, die auch ich täglich in meiner Arbeit feststelle und die so einfach wären, würden es mehr Frauen befolgen.

Es ist die Einladung, sich selber zu sein. Ohne jede Angst vor zu viel Feminität. Vor zu viel Weiblichkeit, weiblichen Waffen.

Mit viel Charme, Coolness, Smartheit und politischem Geschick für männliche Machtkonstrukte, die von Frauen vielleicht auch nie ganz erfasst werden können, weil sie eben von Männern gemacht sind. Es braucht gerade deshalb Mentoren, Netzwerk und Sparring Partner, die das Weibliche im Management nicht nur akzeptieren, sondern schätzen und fordern, wie es hier in diesem Gespräch der Fall ist.
Dr. Sonja A. Buholzer: „Wie müssen Frauen sprechen, damit sie von Männern verstanden werden? Welche linguistischen Merkmale müssen wir integrieren in die Kommunikation?»

«Die Verbindlichkeit des Mannes gegenüber der Frau fehlt. Und Frauen müssen hier genau bei jenen Männern beginnen, die überheblich sind. Man muss bei den männlichen Führungsverantwortlichen die Sehnsucht nach Komplementarität wecken. Muss ihnen schmackhaft machen, dass ihre eigene erfolgreiche Zukunft nur mit dem Wunsch nach Komplementarität möglich ist.“

Männer hätten immer wieder Ausreden, flüchteten sich in unverbindliche Sprachformen, um dem auszuweichen, was ihren Erfolg letztlich garantieren wird: Die eigenen Schwächen zu erkennen, täglich zu wachsen und zu lernen und dies durch eine ganz bewusste Integration von „Anders-Denken“ und „Anders-Probleme lösen“ im Unternehmen zu realisieren. Er fährt weiter: „Erfolgsrelevant ist doch die Tatsache, dass ich in meiner jahrzehntelangen Funktion als Vorsitzender der Geschäftsleitung langfristig orientiert immer wieder die Haltung einnehmen musste, dass die Erfolgsstrategien der Vergangenheit nicht zwingend die von morgen sind. Dass ich den Erfolg von morgen nur mit Menschen machen kann, die genau das einbringen, was mir zum Erfolg fehlt. Und das sind ganz stark Frauen, die für mich für Komplementarität stehen.“

Oft seien Männer die Visionäre in traditionellen Konzernen, die ihre Visionen nur mit der Kraft ganz starker Umsetzer auf den Boden bringen. Und dies seien Frauen.

„Frauen haben eine ungeheure Bodenhaftigkeit und Umsetzungspower, bringen Visionen auf den Boden!“  

Damit sie dies aber langfristig erfolgreich tun könnten, müssten Frauen endlich aufwachen und sich ihrer Stärken der Komplementarität und ihrer Schaffenskraft bewusst sein und diese AKTIV VERKAUFEN! Immer wieder erkenne er, wie Frauen ihr Können und ihr Licht unter den Scheffel stellten, wie diese entschuldigende Haltung des „Ich bin halt eine Frau“ so ziemlich alles an Erfolg zerstöre, was sie hätte.

Dr. Sonja A. Buholzer: „Frauen müssen also ihr Können zeigen, von ihrem Können reden; sie müssen die mentale Entschuldigung „eine Frau zu sein“ ablegen und sich vielmehr als Zukunftsgarantin für den Erfolg verkaufen?»

«Ja, denn gerade die Stärken einer Frau sind heute so relevant: Lösungen auf den Boden bringen, die Umsetzungs-Power in Visionen zeigen, die Komplementarität zum Mann in der Führung aktiv ansprechen, ihre „mehrheitlich andern Stärken im Vergleich zum Mann“ aktiv einbringen, thematisieren, ansprechen, auch profilieren.»

Er hätte immer wieder erlebt, wie weibliche Geschäftsleiterinnen führten: wesentlich enger, effizienter, resultatorientierter als Männer. „Fortschrittskontrollen, das Setzen von erfolgsrelevanten Leitplanken, Korrekturen und effiziente Arbeitsmethoden, unmittelbarere Kontrollgriffe und proaktives Lenken und Leiten mit einem wesentlich ambitionierten Zeitbudget seien für ihn wiederholt weibliche Erfolgsfaktoren gewesen. „Während Männer stundenlang in ineffizienten Sitzungen verharren, wird es einer solchen Frau nach fünf Minuten langweilig und sie strebt nach Resultaten.“

Dies allerdings setze eine Kultur und eine Führung im Unternehmen voraus, die dies stütze, willkommen heisse, „ja gerne“ sagt und eben diese Komplementarität zum Kulturgut deklariert.

Männer müssten dahin „geweckt“ werden, durchaus durch das Thema der Frauen „wie führe ich meinen Chef“, dass sie ihm helfe, seine Schwächen so zu delegieren, dass er auch morgen noch Erfolg haben kann. Die Offenheit des Mannes sei das Ziel. Primär durch die Arbeit der Frau zu machen.

„Frauen dürften sich nicht entschuldigen dafür, eine Frau zu sein. Vielmehr müssen sie sich erklären, welchen „andern“, komplementären „Erfolgsbeitrag“ sie leisten kann“.

Dr. Sonja A. Buholzer: « … diese klare Sprache mit klaren Statements brauchen also Männer, um die Frau zu verstehen, die mit ihm ganz oben in den Führungsetagen jenen Komplementärerfolg realisiert? Und zusammenfassend heisst das also auch, dass wir Frauen die Commitment-Sprache beherrschen und übersetzen in die Männersprache, wo wir nicht verstanden werden.»

„Genau, denn Frauen haben unglaubliche Fähigkeiten. Sie haben mehrheitlich auch viel mehr Intuition, Emotionen, Empathie, ein Gespür für Zusammenhänge und Prioritäten.“

Warum diese so schlecht genutzt würden seitens männlicher Top-Manager vermutet er zu wissen; Eine gewisse Arroganz verhindere möglicherweise einfach, sich täglich verbessern zu wollen. Die eigenen Schwächen zu sehen. Neues zu entdecken, sich zu entwickeln.“

Wenn vom Komplementärkönnen die Rede ist, werden Beispiele genannt, die Männer angesichts so viel weiblicher Vorzüge blass erscheinen lassen. Ihre Angst, in ihrer einfachen Gestricktheit erkannt zu werden, in den eigenen Reihen und im gewohnten Fahrwasser gestört zu werden, verhindere die „Sehnsucht“ nach diesen begabten Frauen. Man müsse diesen grossmehrheitlichen Männern auch ein wenig Angst machen, dass sie ohne diese Komplementarität, ohne Frauen on the top, ganz einfach in Zukunft nicht mehr genügen würden, dass sie schlecht werden, dass sie die Frauen für den eigenen Erfolg und das Sichern ihrer Pfründe brauchen. Männer seien rasch zufrieden mit allem. Eine Frau suche eher stetig nach Verbesserungen.

Und schliesslich appelliert er auch an die Frauen selber:

„Frauen müssen auch ihre eigene Sehnsucht mehr leben, solche top-Führungsjobs zu übernehmen, denn wir brauchen sie, die Frauen! Damit sie dies schaffen, müssen wir eine kritische Grösse der Frauenanteile auf C-level evozieren. Und da baue ich auf die Hartnäckigkeit von Frauen, die ich erlebt habe.“

Dr. Sonja A. Buholzer: «Ich fasse die für mich wichtigsten Punkte zusammen: «Der Mut von uns Frauen zum Anders-Sein zu stehen und komplementär zum Mann bewusst neue Fragen, andere Perspektiven, Bewertungen und Prioritäten in bestehende Kulturen einzubringen, schafft erst Mehrwert. Ich nenne dies Diversity und Heterogenität, die wissenschaftlich nachgewiesen grösstmögliche Innovation und Ergebnisdichte bringen. Dass dies von Männern erst weibliche Akzeptanz schafft, ist ein eindrücklich einfacher Schlüssel zu den C-level-Positionen. Fachliche Expertise setze ich voraus. Herzlichen Dank für das Gespräch.»Das vorliegende Interview basiert auf Dr. Sonja A. Buholzers Buch: WOMAN POWER. Orell Füssli, 2014, ergänzt, überarbeitet und aktualisiert. All rights reserved

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